Überall im freien Europa versammeln sich am vierten Jahrestag des russischen Großangriffs auf die Ukraine Menschen an zentralen Orten vor den Wahrzeichen ihrer Städte. Am 24. Februar riefen in Köln Blau-Gelbes Kreuz, Lew Kopelew Forum und Pulse of Europe zu einer Solidaritätskundgebung für die Ukraine auf. Vor dem gotischen Dom, im Herzen der Stadt. Der Abend steht im Zeichen des Gedenkens der vielen zivilen und militärischen Opfer in der Ukraine, der Erinnerung und der Mahnung: Nur zwei Flugstunden von diesem Platz entfernt herrscht Krieg.

Um 19 Uhr schrecken die Besucherinnen und Besucher zusammen. Luftalarm! Das Heulen der Sirenen geht durch Mark und Bein. Ein Geräusch, das in Kyiv und vielen anderen Städten zum Alltag gehört. Hier markiert es den Beginn der Veranstaltung. Es folgt ein Videotrailer des Dokumentarfilms MY DEAR THEO von Alisa Kovalenko. Im Frühjahr 2022 hatte sie an der ukrainischen Ostfront gekämpft und ihrem Sohn Tagebucheinträge in Form kleiner Videos gesendet. Es sind Bilder einer Mutter, die nicht weiß, ob ihr Kind sie wiedersehen wird. Vielleicht ein letzter Gruß.

An diesem Abend wird schnell Klartext gesprochen. Die stellvertretende Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen Mona Neubaur fordert eine verlässliche und konsequente Unterstützung der Ukraine durch Europa. Auch Natanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Nordrhein-Westfalen, spricht mit deutlichen Worten. Beide betonen: Der russische Angriff betrifft ganz Europa, die Verteidigung der Ukraine ist maßgeblich für die Sicherheit in Europa. In seiner Videobotschaft dankt der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha für die Unterstützung aus Deutschland und der humanitären Hilfe durch das Blau-Gelbe Kreuz.

Auch die Verantwortlichen für die viertgrößte Stadt in Deutschland stehen hinter der Ukraine und unterstützen ihre Partnerstadt Dnipro: Der Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester ebenso wie die Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/Grüne, CDU, SPD, VOLT und FDP. Später unterstreichen zivilgesellschaftliche Vertreter von Arbeitgeber Köln bis zu Lehrern und Schüler einer Kölner Schule ihre Solidarität mit den Menschen in der Ukraine. Sie alle eint an diesem Abend die gleiche Hoffnung: Frieden! Und zugleich die Erkenntnis: Die Menschen in der Ukraine verteidigen mit ihrem Leben auch unsere Freiheit, unsere Demokratie und unsere Lebensweise. Pater Hennadii Aronovych betet mit den Anwesenden für einen baldigen und gerechten Frieden in der Ukraine.

Die Vorsitzende des Blau-Gelben Kreuzes, Linda Mai, kennt die aktuelle Situation vor Ort. Während ihrer jüngsten Hilfskonvoifahrt in der kältesten Winterwoche seit Jahren bewundert sie die Stärke und das Durchhaltevermögen ihrer Landsleute. Auch wenn Putin die Energieanlagen zerstören lässt und die Kälte als Waffe gegen die Bevölkerung einsetzt. Gemeinsam mit Honorarkonsul Jürgen Steinmetz, IHK-Hauptgeschäftsführer in Neuß, steht sie auf der Bühne. Er hat kürzlich Stromgeneratoren für Kyjiw und Dnipro auf den Weg gebracht.- Der Abend hält weitere Höhepunkte bereit: Als der Düsseldorfer Bildhauer und Wagenbauer Jacques Tilly die Freiheit der Kunst und der Satire im rheinischen Karneval gegen den russischen Machthaber Putin verteidigt,, brandet Jubel auf. Beim ukrainischen Volkslied “Plyve Kacha” und den Musikbeträgen von Mariana Sadovska. Tamara Lukasheva und Laura Marti fließen zwischendurch Tränen. Mit “We are the World” vom dreißigköpfigen Jugendchor St. Stephan endet die Veranstaltung beschwingt.

Auf dem Domforum leuchten die ukrainischen Landesfarben blau und gelb in die Nacht. Viele denken an ihre Familien und Freunde in der Ukraine. Denn nur zwei Flugstunden von Köln entfernt fallen weiterhin Bomben und Drohnen greifen an! Der Krieg ist nicht weit weg.